Über Nagelfluh
 
  Geschichte
 
Bei Brannenburg im Inntal erhebt sich ein einzigartiger, ca. 70 Meter hoher Moränenschuttkegel mit lang gestrecktem Scheitel von dessen Höhe eine reizvoll gelegene Wallfahrtskirche ins Tal blickt.
Dieser exponierte Bergrücken aus Nagelfluh-Konglomerat ist seit alters her als "die Biber" bekannt und nimmt in der Geologie des bayerischen Inntales eine vielbeachtete Stellung ein.

Fast 1000 Jahre alt ist das Zeugnis vom Erwerb eines Gutes in Flintsbach durch Bischof Albuin von Brixen, mit dem sich das Recht verband Mühlsteine aus der Wand zu brechen.
1411 schenkte Herzog Stefan II. von Bayern-Ingolstadt die Steinbrüche der Pfarrkirche in Flintsbach, die sie bis ins 19. Jahrhundert besaß. Sie verpachtete ihre Rechte an einheimische Steinmetze, die den Stein in erster Linie für den Hausbau brachen. Jörg Ganghofer beispielsweise wählte ihn 1468 als Sockel für die von ihm erbaute Münchener Frauenkirche.

Mühlsteine aus Brannenburger Nagelfluh waren wegen Ihrer langen Lebensdauer weitum sehr gefragt.

Nach 1853 brachte der Bahnbau nach Salzburg und Kufstein den Steinbrechern wirtschaftlich gute Zeiten. In einem Kontrakt zwischen der Bahnbaukommission und den neun Steinbrecherfamilien lesen wir, dass die Bahn das Recht haben sollte, den Steinbrüchen drei Jahre lang beliebig viel Material zu entnehmen – in Summe immerhin 16.000 Gulden.

Eines der monumentalsten Zeugnisse des Nagelfluh für den früheren Eisenbahnbau ist die um das Jahr 1900 errichtete Königswarter Brücke an der Linie Rosenheim-Mühldorf.

Auch weite Strecken der Flussregulierungen am Inn und seinen Nebenflüssen bedienten sich des Bibersteins. Trotz reißender Hochwasser sind über viele Jahrzehnte nirgends Schäden an den Uferbauten aufgetreten.

Zum Bau des Olympia-Glockenturms am Berliner Reichssportfeld fuhren im Jahr 1935 rund 150 Eisenbahnwaggons mit Nagelfluh zu je 15 Tonnen aus dem Inntal in die damalige Reichshauptstadt.

Die Stützmauer des Nockherbergs in München mit ihrem wuchtigen Zyklopenmauerwerk und ihrer hochqualifizierten Steinmetzarbeit an Treppen, Torbogen und figürlicher Plastik geben einen Begriff von der Schönheit und der Ausdrucksstärke des Nagelfluh.
Olympia-Glockenturm Berlin

Der Nagelfluh der Biber ist bis heute ein hochgeschätzter Baustoff von vielseitiger Anwendbarkeit.


  Entstehung
 
Der Stein, dessen Entstehung auf die letzte Eiszeit zurückgeht, setzt sich aus Silikat, Gneis, Quarzkiesel, grüner Hornblende und rotem Sandstein zusammen und wird von Kalk als Bindemittel gehalten. Die Verschiedenartigkeit der Zusammensetzung verleiht diesem Naturstein einen einzigartigen, harmonisch-warmen Farbton.

Der Name "Nagelfluh" stammt aus der Schweiz, wo im Gebiet des Vierwaldstätter Sees Gesteine der gleichen Art vorkommen. Da das Herausragen einzelner Gerölle aus Bruchflächen den Köpfen von Nägeln in einer Wand gleicht (schweizerisch "flue"), hat man diesem Gestein den Namen "Nagelflue" gegeben.


 
Bearbeitung




Brannenburger Nagelfluh ist in den folgenden Bearbeitungen lieferbar:
  gesägt/geschliffen
  gesägt/geschliffen

gestockt
gespitzt
gestockt   gespitzt